CBC-Claudia Beyer

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Kreatives und Fachliches

Mein Blog...
...ist sowohl eine Ansammlung von eigenen kreativen Werken, die ich im Laufe meines bisherigen Lebens in unterschiedlicher Methodik geschaffen habe, als auch eine Ansammlung fachlicher Impulse.
Beobachtungen, Interpretationen und thematische Ausarbeitungen.

-nicht viel, intensiv, teilweise anstrengend, hilfreich, unglaublich, traurig, erschreckend, ermutigend, motivierend, facettenreich.-

Methodische Aufarbeitungen von Erlebnissen aus Beruf und Privatleben

Haltung, Prinzipien, Visionen

Kooperation Schule und Jugendarbeit im offenen Ganztag

Fachliche Themen SozialwesenGeschrieben von Claudia Beyer So, Februar 17, 2019 21:17:10
Kooperation Schule und Jugendarbeit im offenen Ganztag

Vorschlag für eine mögliche Kooperation der OKJA mit einer Gemeinschaftsschule


I. Kooperation


Was ist Kooperation?

Zunächst: Was ist Kooperation jedenfalls nicht?

• Dominanz („Ich sage dir, was zu tun ist.“).
• Nebeneinander („Du machst deins, ich mache meins.“).
• Angleichung im „Kooperations-Konsensbrei“ („Ich bin wie du, du bist wie ich.“)
Einige Ausschlusskriterien sind: einseitige Information; den anderen erst dann anfragen, wenn es „brennt“; jemanden holen und ihn dann die Arbeit alleine weiter machen lassen obwohl Miteinander-Arbeit in Aussicht stand und gewünscht wird; fachliche Fehleinschätzung.

Kooperation bedeutet:

Kooperation koordiniert Verhalten zur Erledigung eines Anliegens durch gegenseitigen Austausch.
Kooperative Gegenseitigkeit verpflichtet zu gerechten Balancen im Geben und Nehmen, zu mehrseitiger Interessenberücksichtigung und Gleichberechtigung.

Zusammenarbeit bedeutet also, dass:

• ein gemeinsamer Gegenstand, ein Thema, eine Zielgruppe verbindet, (in diesem Fall die
Schüler, die auch unsere Besucher sind)
• dialogische Austauschprozesse und Diskurse stattfinden, (Verwaltung, Schule und OKJA)
• Arbeitsergebnisse durch gemeinsame und arbeitsteilige Aktivitäten entstehen.

Erfahrungen zum Thema Kooperation zeigen:

• Kooperation braucht einen Grund. Z.B. ein Thema kann nicht allein bewältigt werden.
Man sucht höhere Qualität, mehr Effizienz und/oder weniger persönliche Belastung.
(Ressourcenorientierung)
• Kooperation beginnt nur, wenn etwas als gemeinsame Aufgabe verstanden wird.
• Nur mit dem Wissen darüber, was ein Kooperationspartner einbringen kann, ist es
möglich, ein Miteinander zu erwägen und sich zueinander koordiniert zu verhalten.
• Kooperation wird nur mit Kraft vollzogen und wiederholt, wenn die sozial-emotionalen
Erfahrungen positiv waren und sind.

Kooperation ist keine Gleichschaltung. Differenz bleibt gewahrt. Die Zusammenarbeit zwischen zwei so unterschiedlichen Institutionen wie Schule und Jugendarbeit gelingt, wenn sie sich als gleichberechtigte Partner auf gleicher Augenhöhe begegnen.

II. Vergleich Schule und OKJA

Jugendarbeit und Schule sind zwei sehr differente pädagogische Institutionen, mit ganz unterschiedlichen Aufgaben. Die Institution der Jugendarbeit gibt es auch, weil viele Themen und Problemstellungen eines Aufwachsens in einer modernisierten und individualisierten Gesellschaft mit verlängerter Jugendphase, nicht ausschließlich durch die qualifizierenden Einrichtungen (wie die Schule) bearbeitet werden können. So hat Jugendarbeit zunächst ihren Auftrag jenseits von Schule. Jugendarbeit unterstützt das psychosoziale Moratorium durch Raum und Freiwilligkeit.
Im Folgenden habe ich eine kurze Übersicht über einige der strukturellen Differenzen von Jugendarbeit und Schule gegenübergestellt.

Schule

 Allokation (in Form von Zuordnung/Zuteilung), Qualifikation
 Pflicht
 Schulklasse, Zweck-Gemeinschaft
 Stofforientierung, Unterricht
 Curriculum
 hierarchisch
 Kognitiv-rational
 Leistungskontrolle als Leistungsbewertung Unterrichtsarbeit
 planvolle Verschränkung von Zielen
 Kontinuität
 Rahmenlehrpläne
 Wissensvermittlung
 Arbeits- und Lernfähigkeit
 Vertrauensvorschuss bei Eltern
- Landesrecht


Offene Kinder und Jugendarbeit

 Begleitung, Unterstützung, Bildung durch selbsttätige Aneignung
 Freiwilligkeit, Peer Group
 selbsterwählte Gruppe
 Interessen- und Lebensweltorientiert
 Offene Lernprozesse, Flexibilität Diskursiv
 partizipativ
 Sozial-emotional
 Leistungsrückmeldung als Resonanz auf die Person
 Freizeit, unplanbare Entwicklungen
 Experimentierräume
 Selbstorganisation und Partizipation
 Persönlichkeitsbildung
 Beziehungs- und Gemeinschaftsfähigkeit
 Vertrauensvorschuss bei Jugendlichen
- Bundes- (SGBVIII) und Landesrecht

Schule muss sich darüber bewusst sein, dass Jugendarbeit aufgrund ihrer Zielgerichtetheit einen anderen, aber nicht weniger fachlichen Arbeitsstil hat.
Jugendarbeit hat das Interesse, nicht nur unter dem Befehl von Schule Hilfsdienste zu erfüllen,
sondern in der Kooperation aus ihrer fachlichen Sicht auf Kinder und Jugendliche, Schule mit zu beeinflussen und sie zu unterstützen. Ganztagsschultage konstruktiv in Richtung Lebenswelt zu verändern und den gemeinsamen Lern- und Lebensort konstruktiver
zu gestalten.
Im Zentrum stehen wir als Personen. Deshalb arbeiten wir gerne mit Menschen zusammen, die abgeben, die teilen, die anerkennen. Kooperation wird erschwert oder ist nicht möglich, mit Menschen, die ein Klima von Angst, Misstrauen, Entwertung schüren, mit denen keine gemeinsame Sprache und Wellenlänge entstehen.

III. Kooperation Gemeinschaftsschule und OKJA

Kooperation als additives Angebot in der Schule.

Die Angebote richten sich an die Schüler der Schule. Gruppen- und Einzelbetreuung werden ermöglicht. Die Schule kann bestimmte Kinder und Jugendliche während der vereinbarten Zeiten in die Angebote, bzw. in die Einrichtung schicken. Dies bezieht sich auch auf eine Herausnahme von Schülern während des Unterrichtes um diese nach einer „Time out“ unter pädagogischer Fachbetreuung im Freizeitbereich, wieder klassen- und beschulungsfähig zu bekommen.
Was brauchen Jugendliche in der Ganztagsschulbetreuung? Unter welchen Voraussetzungen bleibt man gerne ganze Tage in der Schule? Ausgegangen von unseren eigenen menschlichen Bedürfnissen stellen wir fest, dass für das physische und psychische Wohl gesorgt werden muss. Jugendarbeit denkt vom Jugendlichen her.

Jugendliche/Schüler brauchen u.a.:

 Selbst gestaltete Räume, offene Situationen
 Beratung, Hilfe in schwierigen Situationen
 Fachunterricht
 Freizeitangebote
 Lernförderung
 physisches Wohlbefinden, z. B. Verpflegung, Bewegung
 Erfahrungen in realen Herausforderungen
 Begleitung, Zuwendung
 Jugendliche möchten sich zurückziehen können, ständige Beobachtung ist
anstrengend
 es muss Zeitphasen geben für selbst bestimmte Tätigkeiten
 Bewegung ist zu ermöglichen
 attraktive, herausfordernde Aufgaben, die auch an Grenzen führen, müssen
konstruiert werden; Motivation spielt eine erhebliche Rolle
 Lust, Freude, Spaß und Unbeschwertheit dürfen nicht fehlen

Kompetenzen, die Offene Jugendarbeit hier einbringen kann:

 Kenntnisse der außerschulischen Lebenswelt
 Schulumfeldbezogene Informationen
 Wahrnehmung von Lebenssituationen
 Vertrautheit mit den Jugendkulturen
 Beteiligung (Partizipation) der jungen Menschen
 abwechslungsreiche, aktivierende Methoden
 Team-, Konzeptions- und Managementfähigkeiten

Die Stärken und Schwerpunkte der Jugendarbeit liegen in den persönlichkeitsbildenden, sozialen, kommunikativen und handlungspraktischen Feldern.
In Anlehnung an das pädagogische Konzept der künftigen Gemeinschaftsschule können wir aus dem sozialpädagogischen Bereich weitere Schwerpunkte einbringen:

Pädagogischer Mittagstisch.

Definition: Unter einem „pädagogischen Mittagstisch“ versteht man üblicherweise ein familienergänzendes Betreuungsangebot für Kinder und Jugendliche. Unter Betreuung durch eine ausgebildete, pädagogische Fachkraft nehmen die Schüler gemeinsam ihr Mittagessen ein und haben im Anschluss die Möglichkeit des Freien Spieles oder der betreuten Erledigung ihrer Hausaufgaben. Dieses Betreuungsangebot versteht sich nicht als professionelle Nachhilfestunde für leistungsschwache Schülerinnen und Schüler, sondern als pädagogisch begleitete Möglichkeit des gemeinsamen Arbeitens in einer Gruppe für Mädchen und Jungen, die während der Hausaufgaben nicht von ihren Eltern betreut werden können oder Zeit in der Schule ( z.B. bis zum Beginn der AG) überbrücken müssen.
Die Zeiten für den betreuten Mittagstisch werden für den Bereich der Schul-Mensa, durch die Schulleitung zusammen mit dem Lehrerkollegium festgelegt. Es ist im Sinne der Schule, den zeitlichen Rahmen so zu wählen, dass die meisten Schüler in den Genuss einer warmen Mahlzeit an den Angebotstagen kommen.
Lt. Konzept der Gemeinschaftsschule soll das Mittagessen in der Zeit von 12:15 Uhr bis 14:00 Uhr in der Mensa der Schule stattfinden.

Wenn die Mitarbeiter der OKJA im Rahmen der offenen Ganztagsschule die Betreuung des pädagogischen Mittagstisches übernehmen, könnten die Schüler, die ihr Mittagessen beendet haben, in den Freizeitbereich des Jugendzentrums gehen dürfen. Dort könnten weitere Mitarbeitende die Schüler betreuen.
Nachmittags könnten könnten diese (wenn gewünscht zusätzlich zu einer durch diese durchgeführten AG) eine altersgemischte Schularbeitenbegleitung in oben genannter Form anbieten.
Wenn der Schüler die Schularbeiten beendet hat, kann er bis 16:00 Uhr auch jederzeit an einem offenen Spielangebot teilnehmen. Durch diese Möglichkeit können z.B. ausfallende AGs überbrückt werden und bis 16:00 Uhr ein Aufenthalt der Schüler im Gebäude tatsächlich gewährleistet werden. Die Möglichkeit des AG-freien Aufenthaltes, bzw. der Schulaufgabenbegleitung, könnte auch als einziges Angebot der OKJA durchgeführt werden, falls die Schule keine weiteren AG-Angebote benötigt.

Zwischen 14:00 Uhr und 16:00 Uhr könnte (bei Bedarf) von Jugendzentrums-Seite aus, eine der unten angegebenen AGs angeboten werden.

 Ballspiel-AG aus den Bereichen Sport / Erlebnispädagogik:
Ballspiele wie z.B. Volleyball, Schlagball, Brennball, Völkerball, Fußball, Basketball.

 Kreativ-AG aus den Bereichen Kunst / Werken:
Kreatives Gestalten wie z.B. Basteln, Zeichnen, Malen, Ausübung verschiedener
Techniken, Arbeiten mit unterschiedlichen Materialien

 Rhythmik-AG aus den Bereichen Musik / Tanz / Bewegung:
Klang- und Bewegungswelten erschließen, z.B. durch Traumreisen, Bewegungsspiele,
Instrumente kennenlernen, Körperkoordination und Körpergefühl entwickeln,
Geräusche zuordnen, Naturgewalten darstellen.

 Spiele-AG aus den Bereichen Neue Medien / Bibliothek / Spiele:
Arbeiten und Spielen am Computer (was ist zu beachten, was ist gefährlich, was sollte man lassen), Umgang mit Internet und Altersfreigaben, gemeinsam Bücher lesen und besprechen, Gesellschaftsspiele kennenlernen und spielen, Kartenspiele z.B. Skat, Poker, Uno, usw. lernen und spielen

 Koch-AG aus den Bereichen Gesundheitserziehung / Kochen / Ernährung:
Kochen lernen zur Selbstversorgung, ausgewogene Ernährung beachten (z.B. Nährstoffpyramide zeichnen, aneignen und umsetzen)


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Ich zitiere aus, bzw. beziehe mich (unter anderem) hierbei auf:
(1) „die Arbeitshilfe für die Jugendarbeit“ von Prof. Karl Heinz Timm, „Jugendarbeit im Ganztag der Sek. I-Schule“
(2) Chancen, Probleme und Wege der Kooperation von Offener Jugendarbeit und Schule, Benedikt Sturzenhecker
(3) Kooperation Offene Jugendarbeit und Schule, Herausgeber: Ministerium für Justiz, Frauen, Jugend und Familie des Landes Schleswig-Holstein, 24103 Kiel


Claudia Beyer 1.07.09





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