CBC-Claudia Beyer

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Partizipation im Sozialraum am Beispiel der offenen Kinder- und Jugendarbeit

Fachliche Themen SozialwesenGeschrieben von Claudia Beyer So, Februar 17, 2019 19:16:47
Partizipation im Sozialraum am Beispiel der offenen Kinder- und Jugendarbeit

1. Einleitung

Jugendliche frequentieren die Öffentlichkeit überwiegend in verschiedenen Gruppen. Abseits der örtlich angesiedelten Vereine und des Elternhauses "hängen" diese in irgendwelchen Ecken oder auf öffentlichen Plätzen herum. Vorübergehende Passanten wirken oft abgewendet, verunsichert und verängstigt, da ihnen die Frage nach dem richtigen Zugang zu diesen Jugendgruppen unbeantwortet scheint. Gerade in ländlichen Räumen, indem nur einige wenige öffentliche Spielplätze oder Sportanlagen existieren, bilden Jugendgruppen, die sich z.B. auf diesen Plätzen treffen, für die Anwohner oftmals ein bedrohliches Bild.
Jugend konstituiert sich im Raum, Jugend wird erst durch Sozialräume zur Jugend. (Böllert, 2001)
In Sozialräumen, in denen Benachteiligungen, Migrationshintergrund und eventuell daraus resultierende Problemlagen überwiegen, fehlt Jugendlichen ein Raum, der ihnen Sicherheit bietet, Ansprechpartner für ihre Sorgen beinhaltet und ihnen Geborgenheit gibt. Raum, als eine für Kinder und Jugendliche akzeptable Lebenswelt, als „psychosoziales Moratorium“ (vergl. Entwicklungspsychologe E. Erikson 1968), mit Zeit für das "Hineinwachsen", Zeit für die soziale Integration in die Gesellschaft während der Adoleszenz.
Die Angebote und Einrichtungen (Jugendzentren, Jugendtreffs, Teestuben usw.) der offenen Kinder- und Jugendarbeit sind ein Bestandteil der sozialen Infrastruktur in Städten und Gemeinden. Diese bieten sowohl für die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen in der Gemeinschaft, als auch für die Prävention von Problemlagen, eine Vielfalt an fachlich differenzierten Angeboten, professionellen Konzepten und innovativen Maßnahmen. Die kommunale Jugendarbeit leistet in den Jugendzentren wichtige Beiträge zur Entwicklung der sozialen Kompetenz junger Menschen und erleichtert ihnen die Integration in die Gesellschaft.
Soziale Arbeit als Teil der „Lebenswelt“ und im „Sozialraum“ von Kindern und Jugendlichen steht mehr denn je im Diskurs der Familien- und Sozialpolitik. Was genau versteht man unter diesen beiden Begriffen?


2. Unterschied zwischen Lebenswelt und Sozialraum

2.1. Sozialraum

Der Begriff „Sozialraum“ kann nicht eindeutig definiert werden und wird im alltäglichen Sprachgebrauch unterschiedlich verwendet. So bezeichnet z.B. Böhnisch/Münchmeier 1990, Sozialraum als „Lernraum im Kontext der Pädagogik der Aufklärung“, Baacke 1984 und Harms 1985 sprechen von einem „Sozialisationsraum im Rahmen sozialökologischer Theorien“ und Deinet 1991, bezeichnet „Sozialraum“ als „Aneignungsraum im Kontext aneignungstheoretischer Konzepte“.
Sozialraum beschreibt aber auch ein Gebiet, eine geographische, räumliche Größe und wird je nach Beobachtungsbeweggrund in Quartiere, Wahlbezirke, „Problemviertel“ usw. unterteilt und skizziert.
In der Sozialpädagogik und Sozialarbeit definiert man „Sozialraum“ als
„die örtliche, regionale und institutionelle Struktur eines Ortes, an dem Subjekte, also Personen, agieren und interagieren“, (http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialraum),
und Prof. Dr. Wolfgang Hinte (Dokumentation der Fachtagung zur Jugendhilfe »Vom Fall zum Feld« am 10.05.2000, Kiel, S. 14) beschreibt den Begriff „Sozialraum“ in folgender Art und Weise:
„Eine wesentliche Dimension der Lebenswelt von Bürgern ist der soziale Raum. Es ist der Ort, an dem die Menschen leben, einen Teil ihrer Freizeit verbringen, den sie individuell gestalten, wo sie einkaufen, Kontakte pflegen und ihr Auto abstellen. Wenn sich eine Kommune respektvoll und mit dem Willen, im Sinne der Betroffenen gestaltend zu wirken, als anschlussfähig an die Lebenswelt erweisen will, muss es die Steuerungsgröße -Sozialraum- in seiner Struktur abbilden und seine Beschäftigten dadurch nachhaltig auf die dort entstehenden Bedarfe orientieren.“
In dieser Beschreibung wird von „Sozialraum“ als Teil der Lebenswelt eines Menschen gesprochen und weißt dadurch auf einen der Unterschiede zwischen den beiden Begriffen „Sozialraum“ und „Lebenswelt“ hin.

2.2. Lebenswelt

"Die Umwelt, die wir wahrnehmen, ist unsere Erfindung" (Foerster, 1993)
Dieses Zitat von Foerster ist ein Hinweis darauf, was unter dem Begriff „Lebenswelt“ verstanden werden kann.
„Lebenswelt“ ist der Spiegel des eigenen Seins und Empfindens, gesteuert durch die Familie, durch die Peer-Gruppe und äußere Einflüsse, wie z.B. Werbung und Medien usw. „Lebenswelt“ ist ursprünglich ein soziologischer Begriff von Alfred Schütz:
„Lebenswelt ist jene Wirklichkeit, in der jeder Mensch lebt, denkt, handelt und sich mit anderen verständigt. Die Lebenswelt ist den Menschen vorgegeben und wird fraglos hingenommen. Hier bewegt sich der Mensch zusammen mit anderen in selbstverständlicher Weise, die Sinnzusammenhänge sind klar und vertraut, sie müssen nicht ständig erschlossen werden. Lebenswelt ist die kulturell geformte Sinnwelt und die Basis der Wahrnehmung und des Verstehens“. (Schütz/Luckmann, Strukturen der Lebenswelt, 2003)
Im Rahmen der Erkenntnistheorie (vergl. Kant) im Bezug auf „meine“ Lebenswelt, könnte sich die Frage ergeben ob sich „mein“ Bild der Außenwelt von dieser selbst unterscheidet und wenn das der Fall sein sollte, wie genau unterscheidet diese sich dann? Ist meine Sicht der Dinge und mein Bild tatsächlich mit mir authentisch oder vielleicht doch geprägt durch Übernommenes, z.B. durch „Statements“ anderer Menschen, Umfeld, äußere Gegebenheiten und die Gruppe, der ich mich angehörig fühle? Aus dieser Frage ergibt sich der Rückschluss, dass es eigentlich kein objektives, sondern nur „beobachterabhängiges Wissen“ über die jeweilige Lebenswelt eines Menschen gibt. So individuell wie die Lebenswelt jedes Einzelnen sich gestaltet, so individuell orientiert sich dieser auch in „seiner Welt“ und in seinem Alltag.
Die Begriffe „Alltagsorientierung“ und „Lebensweltorientierung“ können nach Hans Thiersch synonym verwendet werden. Beide bezeichnen die weitgehend anerkannte grundsätzliche Orientierung, das Paradigma, moderner sozialer Arbeit. Im Bereich der verschiedenen Arbeitsfelder auch das, der offenen Kinder- und Jugendarbeit. Unterstützung, Förderung und Hilfe werden anhand der jeweils gegebenen Lebensverhältnisse und Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen entwickelt. Der Sozialpädagoge in der OKJA stellt keine Diagnose als Basis eines Hilfeplans, sondern versucht, die in den jeweiligen Lebensverhältnissen vorhandenen Ressourcen zu aktivieren. Wie der Betroffene seine Situation, seine Schwierigkeiten sieht und wie er damit umgeht, muss dabei sowohl respektiert als auch in Frage gestellt werden. Orientierung dafür bietet eine kritische Hinterfragung der Vorstellung des Alltags, der in der Lebenswelt gelebt wird. Thiersch bezeichnet den „Alltag“ als sowohl bestimmt von angeeigneten und notwendigen Routinen, als auch von festgefahrenen Denk- und Handlungsmustern, die dem Individuum Sicherheit geben. Gleichwohl gibt es aber auch Alternativen, Chancen und Möglichkeiten, die zu einem „gelingenderen“ Alltag führen können. Da die Lebenswelt und insofern auch der Alltag gesellschaftlich geprägt sind, beinhaltet die Alltagsorientierung, bzw. die lebensweltorientierte Kinder- und Jugendhilfe immer auch ein politisches Mandat. Dieses Mandat entspricht dem gesetzlichen Auftrag (§ 1 KJHG). (Thiersch, Erfahrung der Wirklichkeit. Perspektiven einer alltagsorientierten Sozialarbeit, 2003)
Der Mensch eignet sich seinen Lebensraum an, somit natürlich auch die Kinder und Jugendlichen.
Der Begriff der „Aneignung“ als theoretische Orientierung für die Kinder- und Jugendarbeit wurde von Ulrich Deinet Ende der 80er Jahre in die Diskussion gebracht. Seine Basis ist die Erkenntnis, dass die Entwicklung der Persönlichkeit, der Fähigkeiten und der eigenen Orientierungen von Kindern und Jugendlichen, nicht allein durch Beziehungen zu anderen Personen, wie z.B. zu Eltern, Lehrern oder sonstigen pädagogischen Fachkräften geprägt wird, sondern auch von der Art und Weise, wie sie sich Räume „erobern“. Für die Entwicklung der Kinder ist es wichtig, sich z.B. von Jahr zu Jahr selbständig immer weiter von der elterlichen Wohnung entfernen zu können und zu lernen, sich in diesen fremden Räumen zurechtzufinden und zu behaupten. Deinet schlägt der Kinder- und Jugendarbeit vor, ihre Angebote daraufhin zu reflektieren, ob sie solche Möglichkeiten der Aneignung bieten. Sind Kinder und Jugendliche in den pädagogisch betreuten Einrichtungen, wie z.B. in den Jugendzentren herausgefordert, sich mit anderen Menschen und deren unterschiedlichen Wahrnehmungen und Meinungen, mit Materialien und anderen Fertigkeiten als den bisher eigenen, auseinander zu setzen? Erweitert diese Auseinandersetzung die Handlungsmöglichkeiten bzw. Kompetenzen der Kinder und Jugendlichen? Trägt unser Tun als Sozialpädagogen dazu bei, dass sich deren Weitblick entwickelt und sich der Blick aus der -und auf die- Metaebene bildet? Tragen wir Fachkräfte in unseren Einrichtungen dazu bei, dass sich für Kinder und Jugendliche neue Perspektiven eröffnen ihre Lebenswelt zu bereichern?
Gemäß dem 8. Jugendbericht der Bundesregierung von 1990 (Herausgeber: der Bundesminister für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit, Bonn, Abk. BJFFG,1990: S. 88f), der einen Paradigmenwechsel in der Jugendhilfe einleitet, in dem Ganzheitlichkeit und Situationsbezogenheit, Integration und Partizipation in den Fokus rücken, sind die Leistungen der Jugendhilfe an folgenden Maximen auszurichten:
• Prävention,
• Dezentralisierung/Regionalisierung,
• Alltagsorientierung in den institutionellen Settings und in den Methoden,
• Integration – Normalisierung,
• Partizipation,
• Lebensweltorientierung zwischen Hilfe und Kontrolle.
Diese Handlungsprinzipien sollen die qualitative Entwicklung in der Jugendhilfe prägen. Präventives Handeln, Lebensweltorientierung, Beteiligung und Freiwilligkeit, Existenzsicherung und Alltagsbewältigung sowie Einmischung. Diese zentralen Grundsätze sind sowohl Steuerungsinstrumente, als auch Beurteilungskriterien für die Praxis Sozialer Arbeit.
Der lebensweltorientierte Ansatz versucht die Menschen in unsere Gesellschaft zu (re)integrieren, während Sozialräumliches Arbeiten versucht, den Raum zu ändern und dadurch den Alltag für die jeweiligen Menschen zu erleichtern und zu verbessern. Im Rahmen der Dezentralisierung und Regionalisierung bekommt die Arbeit im Sozialraum eine besondere Bedeutung im Paradigma der Jugendhilfe. Sozialräumliches Arbeiten. Eine neue, moderne Methode der Sozialen Arbeit? So neu und pädagogisch revolutionär ist dieser Gedanke allerdings nicht. Ich möchte deshalb an dieser Stelle einen kurzen Exkurs in die Geschichte der Arbeit im Sozialraum unternehmen.

3. Entwicklung der sozialräumlichen sozialen Arbeit

3.1. das Elberfelder Modell

Der soziale Raum, das Quartier, als Ressource. Kolonialisierung proletarischer Sozialräume. In der Geschichte der Sozialen Arbeit kommt dem Sozialraum zunächst nur Bedeutung bei der Regulierung von Armutshilfen zu. Prägend für die Institutionalisierung einer modernen Armenpflege und -fürsorge im neun-zehnten Jahrhundert war das „Elberfelder Modell“. Hier nehme ich Bezug auf den zweiten Blick, in Timm Kunstreichs Buch „Grundkurs Soziale Arbeit“.
Im Jahr 1853 entwickelte die Stadt Elberfeld ein System, mit welchem
sie die Armenfürsorge neu organisierte. Auf der einen Seite gab es natürlich
immer noch die Anstaltspflege, die die Konsequenz aus einem
restriktiven Umgang mit Armut bildete. Auf der anderen Seite sollte die
offene Armenfürsorge, also der Umgang mit Personen, die in die Armut
abgerutscht waren bzw. gefährdet waren arm zu werden, im Gegensatz zur bisher üblichen Almosengewährung effektiver und systematischer organisiert
werden, Sozialräume sollten besser kontrollierbar gemacht werden, Dauerleistungen von Unterstützungen sollten vermieden werden. Die wesentlichen Prinzipien bestanden in der Individualisierung, die eine Bedürftigkeitsprüfung des Einzel¬falles nach überprüfbaren Kriterien vorsah, in der Dezentralisierung der Entscheidungs¬befugnisse auf die Ebene der Bezirke, der ehrenamtlichen Durchführung der öffentlichen Armenfürsorge und der räumlichen Gliederung nach Quartieren. Die Stadt wurde in Bezirke mit jeweils mehreren Quartieren unterteilt. Durch diese Dezentralisierung wurde die Organisation der Armenverwaltung übersichtlich und kontrollierbar gestaltet. Die Stadt Elberfeld folgte ebenso wie Wichern einem re-aktiven Modell, welches mit einer doppelten kompensatorischen Funktion verbunden ist. Kompensation individueller Defizite und Kompensation von Systemrisiken. (Kunstreich, Grundkurs Soziale Arbeit Band 1, 2000).

3.2. die Settlementbewegung am Beispiel „Toynbee Hall“ und „Hull House“

Erste Ansätze einer sozialraum- und ressourcen-orientierten Sozialarbeit finden sich Ende des 19. Jahrhunderts in den Konzepten von Jane Addams und ihren Freundinnen. Jane Addams, die sich durch die Idee des Settlements von Samuel und Henrietta Barnett durch deren „Toynbee Hall“ inspirieren lies, brachte die Settlementbewegung von England nach Chicago. Hier wird Abstand von der Individualisierung sozialer Probleme genommen und versucht, die Ressourcen im Quartier zu mobilisieren. Dies gelang ihr durch die Gründung von „Hull House“ im sozialräumlichen Milieu. Hull House war ein Zentrum für unterschiedlichste Aktivitäten mit unterschiedlichsten Veranstaltungen, unter anderem im Bildungsbereich. Es gab jedoch einen wesentlichen Unterschied zwischen „Toynbee Hall“ und „Hull House“. Während in „Toynbee Hall“ idealistische, gebildete Menschen mit Armen zusammen lebten um ihnen Erziehung, Bildung, Mut und Lebensperspektive zu vermitteln, trafen sich in „Hull House“ qualifizierte, engagierte und intrinsisch hochmotivierte Arbeiterinnen und Arbeiter.
Die Gemeinsamkeit beider Konzepte ist die Anwendung eines pro-aktiven Modells, basierend auf dem Medium Transversaler Sozialitäten, also der Herstellung von Bezügen quer zu hegemonialen Institutionen. (Kunstreich, Grundkurs Soziale Arbeit Band 1, 2000).
Nebenbei bemerkt, wurde die Arbeit von Jane Addams 1931 mit dem Friedensnobelpreis geehrt. (Präsidentin der „Women's International League for Peace and Freedom“)

3.3. Gemeinwesenarbeit

Neben der sozialen Einzelfallhilfe und der soziale Gruppenarbeit, stellt die soziale Gemeinwesenarbeit die dritte methodische Säule der sozialen Arbeit dar, wobei sie sich im Wesentlichen dadurch von Sozialer Einzel- und Gruppenarbeit abgrenzt, dass sie nicht ein oder mehrere Individuen in den Mittelpunkt stellt, sondern sich an ganze Stadtteile bzw. Gemeinden richtet.
Dieter Oelschlägel verfasste einen Beitrag zur Gemeinwesenarbeit im „Handbuch zur Sozialarbeit und Sozialpädagogik“, das von Hans-Uwe Otto und Hans Thiersch herausgegeben wurde. Ich beziehe mich im weiteren Verlauf meiner Beschreibung der Gemeinwesenarbeit auf diesen Beitrag.
Oelschlägel definiert den Begriff Gemeinwesenarbeit als:
„eine sozialräumliche Strategie, die sich ganzheitlich auf den Stadtteil und nicht pädagogisch auf einzelne Individuen richtet. Sie arbeitet mit den Ressourcen des Stadtteils und seiner BewohnerInnen, um seine Defizite aufzuheben. Damit verändert sie dann allerdings auch die Lebensverhältnisse seiner BewohnerInnen.“
Gemeinwesenarbeit stellt eine soziokulturelle Interventionsstrategie dar.
Die Geschichte der Gemeinwesenarbeit ist eng gekoppelt an die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte unseres Landes. Nach dem Wirtschaftswunder in den sechziger Jahren, kam ein Umbruch in der sozialen Arbeit. Aus Ehrenamt wurde Beruf und es entstand die klassische Gemeinwesenarbeit. Der Begriff der Gemeinwesenarbeit wurde erstmals 1951 in einer Soziologenzeitschrift verwendet, in der über amerikanische Methoden in der Gemeinschaftshilfe berichtet wurde. Ende der 70 er Jahre entwickelte sich die Gemeinwesenarbeit zur stadtteilbezogenen Sozialen Arbeit.
(Oelschlägel, Handbuch Sozialarbeit/Sozialpädagogik Otto/Thiersch, 2005).
Als professionelle Tätigkeit trägt Gemeinwesenarbeit unter der aktiven Mitarbeit der Bevölkerung und dem gezielten Einbezug von Institutionen, Organisationen und weiteren Akteuren interdisziplinär dazu bei, die Lebensbedingungen der
Bevölkerung, insbesondere die der sozial benachteiligten Gruppen, zu verbessern.
Die Gemeinwesenarbeit bezieht sich kategorial primär auf die im Sozialraum lebenden Jugendlichen, Arbeitslosen, Obdachlosen und Alleinerziehenden, aber auch auf die Familien und sonstigen hilfsbedürftigen Menschen und stellt diesen nützliche Dienstleistungen zur Verfügung. Territorial bezieht sie sich auf den durch Menschen definierten Sozialraum, z.B. den Stadtteil, das Dorf oder die Region.
Sozialraumorientierte Sozialarbeit ist meiner Meinung nach, so gesehen, die modernisierte Fortschreibung der klassischen Gemeinwesenarbeit.

4. Ziele der sozialräumlichen sozialen Arbeit

4.1. Bedürfnisorientierung

Ein Prinzip "Stadtteilbezogener Sozialer Arbeit" als Grundlage für "Empowerment" (Aktivierung) lautet „Bedürfnisorientierung“. Der Ansatz des sozialräumlichen Arbeitens ermöglicht eine systematische, pluralistische und partizipative Bedarfserhebung in Kooperation der Stadt/Gemeindeverwaltung, mit den Trägerschaftsorganisationen und Bürgern. In gemeinsam erstellten empirischen Erhebungen, die sowohl durch Befragungen als auch durch Beobachtungen erfolgen können, müssen solides Wissen über Stadtteilstrukturen, geographische Bedingungen, Lebenslagen von Bewohnern, Organisation und Verteilung sozialer Dienste und die Sozialpolitische Struktur primär berücksichtigt werden. Hierbei sollte die Frage "Was wollt ihr?" im Vordergrund stehen, nicht aber die Frage "Was braucht ihr?" (Hinte / Lüttringhaus / Oelschlägel, Grundlagen und Standards der Gemeinwesenarbeit, 2001).

4.2. Budgetierung

Unter „Budgetierung“ versteht man eine dezentrale Fach- und Ressourcenverantwortung. Selige definiert: " Budgetierung ist nicht das Ziel der neuen Steuerung, sondern ein Instrument modernen Managements. Sie ist Teil eines neuen Führungskonzeptes, das moderne Managementmethoden mit betriebswirtschaftlichen Erkenntnissen zu vereinen versucht“. (Selige, 1996 in Arnold/Maelicke, Lehrbuch der Sozialwirtschaft, 2003). Jedoch Ist die Budgetierung ein Element der neuen Steuerung, mit dem mehr Transparenz, Flexibilität, Effizienz, Kreativität, Wettbewerb und durch eine Dezentralisierung von Ergebnis- und Ressourcenverantwortung eine größere Wirtschaftlichkeit beim Einsatz der knapper gewordenen Haushaltsmitteln erreicht werden soll. Indem die Budgetierung einen Beitrag zu mehr Transparenz nach innen und außen leistet, leistet sie gleichzeitig auch einen Beitrag zur Stärkung der Partizipation. Mit der Budgetierung sollen Kräfte der Eigensteuerung mobilisiert werden. Eigenverantwortlichkeit soll auch bei den zuständigen Mitarbeitern gefördert werden, die über ihr zugeteiltes Budget selbst verfügen dürfen und sollen. Durch ein geeignetes Berichtswesen und Controlling soll die notwendige Gesamtsteuerung sichergestellt werden. Einnahmensschwache Einrichtungen sollen gegenüber einnahmensstarken nicht benachteiligt werden. (Arnold/Maelicke, Lehrbuch der Sozialwirtschaft, 2003)
4.3. Aktivierung und Reaktivierung
"Wer Menschen befähigen will, den eigenen Möglichkeitsraum zu erweitern, muss innerhalb ihrer Lebenswelt agieren" (Hinte / Lüttringhaus / Oelschlägel, Grundlagen und Standards der Gemeinwesenarbeit, 2001).
Die „international Federation of Social Work“ definiert Soziale Arbeit als eine Tätigkeit, die sich im Wesentlichen auf zwei komplexe Aufgabenbereiche gesellschaftlichen Handelns konzentriert. Zum einen auf die Unterstützung einzelner Individuen und bestimmter marginalisierter Gruppen bei der effektiven Lösung ihrer durch das Gesellschaftssystem verursachten, individuellen und kollektiven Probleme, zum anderen soll sie aber auch die Gesellschaft selbst dazu veranlassen, soziale Entwicklungen rückgängig zu machen bzw. zu vermeiden, die problemverursachend oder -verschärfend sind. Siehe auch Punkt 3.1. „Elberfelder Modell“, Kompensation individueller Defizite und Kompensation von Systemrisiken. (Kunstreich, Grundkurs Soziale Arbeit Band 1, 2000).
Soziale Arbeit handelt deshalb sowohl reaktiv als auch aktiv intervenierend. (International Federation of Social Work, Definition of the Social Work Profession, 1982) Siehe auch Punkt 3.3. “Gemeinwesenarbeit”.
Handlungspotenzial (Ressourcen) der in den Quartieren lebenden Menschen soll reaktiviert werden. Die Menschen sollen sich mit Hilfe ihrer Sozialitäten neu motivieren das Leben in ihrem Stadtteil wieder selbst zu gestalten und für sie aufzuwerten und zu bereichern. Sind Eigeninitiative und Selbsthilfepotenzial erst wieder aktiviert, kann sich gemeinsames Bewusstsein entwickeln, nachbarschaftliche Netze können gefestigt werden und selbst formulierte Ziele können gemeinsam erreicht werden. In vielen Stadtteilen werden Entwicklungen vor allem von bürgerschaftlichen, politischen Engagements in verschiedenen Bereichen kollektiv getragen und geprägt.

4.4. Beteiligung/Partizipation

Beteiligung beziehungsweise Partizipation im sozialräumlichen Arbeiten bedeutet in erster Linie Bürgerbeteiligung, Stärkung der Kinder, Jugendlichen und ihrer Eltern, Aktivierung zur Selbsthilfe und soziales nachbarschaftliches Engagement. Die soziale Arbeit schafft hier Rahmenbedingungen und Legitimation für partizipative Veränderungsprozesse, begleitet und gestaltet diese mit. Dabei setzt sie sich ein für die Einmischung, Teilhabe und Mitwirkung der betroffenen Menschen am gesellschaftlichen Geschehen und der Umsetzung von Maßnahmen. Auf den Begriff der „Partizipation“ möchte ich in den folgenden Punkten noch genauer eingehen und die Möglichkeiten partizipativen Arbeitens, am Beispiel der kommunalen Kinder und Jugendarbeit verdeutlichen.

5. Partizipation am Beispiel der kommunalen Kinder und Jugendarbeit

Ich möchte den Schwerpunkt meiner kurzen Erklärung des Begriffes „Partizipation“ auf das Thema der „Partizipation von Kindern und Jugendlichen“ legen. Wie schon in Punkt 2.2. -Lebenswelt- genannt, wurde gemäß dem 8. Jugendbericht der BJFFG,1990, „Partizipation“ zu einer Strukturmaxime der Jugendhilfe erklärt. Die UN-Kinderrechtskonvention von 1989 legt neben den Rechten auf Versorgung (Provision) und Schutz (Protektion) auch das Recht von Kindern und Jugendlichen auf Beteiligung (Partizipation) fest. Das Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII) schreibt vor, Kinder und Jugendliche an allen sie betreffenden Entscheidungen der öffentlichen Jugendhilfe zu beteiligen (§ 8 (1) SGB VIII). In Schleswig Holstein wurde die Pflicht Kinder und Jugendliche zu beteiligen im § 47f der Gemeindeordnung festgelegt. Die jeweiligen Städte und Gemeinden sind verpflichtet Sorge dafür zu tragen, dass die Jugendbeteiligung methodisch funktioniert und praktiziert werden kann. An dieser Stelle rückt die kommunale Kinder und Jugendarbeit in den Fokus der Trägerschaften.
5.1. Begriffserklärung "Partizipation"
Der Begriff „Partizipation“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Teilhabe“. „Partizipation“ bezeichnet die aktive Beteiligung der Bürger und Bürgerinnen bei der Erledigung der gemeinsamen (politischen) Angelegenheiten bzw. der Mitglieder einer Organisation, einer Gruppe, eines Vereins etc. an den gemeinsamen Angelegenheiten. (Schubert/Klein, Das Politiklexikon, 2006)
„Partizipation“ bezeichnet die Teilhabe der Bevölkerung an politischen Willensbildungsprozessen, insbesondere an Wahlen und Referenden. In einem rechtlichen Sinne bezeichnet „Partizipation“ die Teilhabe der Bevölkerung an Verwaltungsentscheidungen. (ebenda)
„Partizipation“ wird als zentrale Komponente der Entfaltung einer freiheitlichen, demokratischen Gesellschaft betrachtet. (Hillmann, Wörterbuch der Soziologie, 1994)

5.2. Formen der Partizipation in der Kinder und Jugendarbeit

Wie kann gelingende Partizipation von Kindern und Jugendlichen im Sozialraum methodisch umgesetzt werden? Partizipatives Arbeiten mit Kindern und Jugendlichen ist oft von Vorurteilen geprägt. Kinder und Jugendliche könnten politische und gesellschaftliche Zusammenhänge nicht verstehen, sie würden in Partizipationsprojekten überfordert, sie würden von Erwachsenen manipuliert. Damit sich Kinder und Jugendliche im Partizipationsprozess aktiv beteiligen können, muss eine ihren Bedürfnissen entsprechende Form der Mitwirkung auf verschiedenen Ebenen gefunden werden. Es ist erforderlich, dass Angebote vorhanden sind, in denen junge Menschen an der Entwicklung ihrer Lebenswelt mitwirken können. Auch ist es erforderlich sie an der Gesamtsteuerung der Partizipationsprozesse zu beteiligen. Eine angemessene Beteiligung muss über die in den Jugendtreffs gestellte Frage "was möchtet ihr denn gerne einmal unternehmen?“ hinausgehen.
Im folgenden Text beziehe ich mich auf das Handbuch zur Entwicklung kommunaler Strukturen für die Jugendbeteiligung, "eine Stadt für uns alle“, herausgegeben von der Bertelsmann Stiftung, 2008.
Formen der Kinder und Jugendbeteiligung können sein:
Repräsentative Beteiligungsformen, offene Beteiligungsformen, projektorientierte Beteiligungsformen, anwaltschaftliche Beteiligungsformen, Vertretung von Kindern und Jugendlichen in Erwachsenengremien.

5.3. Beispiele für repräsentative Beteiligungsformen
Innerhalb repräsentativer Formen der Beteiligung setzen sich gewählte oder delegierte Kinder und Jugendliche stellvertretend für die Belange von Gleichaltrigen ein. Nur die gewählten Mitglieder des Mitbestimmungsgremiums dürfen sich an Diskussionen und Entscheidungsprozessen beteiligen. Hierbei handelt es sich um eher langfristige Modelle, denen zum Beispiel die Kinder- und Jugendparlamente angehören. Weitere Beispiele repräsentativer Beteiligungsformen sind Jugendgemeinderäte, Jugendstadträte, Jugendbeiräte und Stadtteiljugendräte.

5.4. Beispiele für offene Beteiligungsformen

Offene Beteiligungsformen sind niederschwelliger Art und zeichnen sich durch freien Zugang für alle interessierten Kinder und Jugendlichen aus. Sie bieten die Möglichkeit einer spontanen Teilnahme. Zu den offenen Beteiligungsformen zählen zum Beispiel Kinder- und Jugendforen, Jugendeinwohnerversammlungen, Kinder- und Jugendkonferenzen, Jugendhearings und runde Tische.

5.5. Beispiele für projektorientierte Beteiligungsformen

Bei projektorientierten Beteiligungsformen werden Kinder und Jugendliche an konkreten Planungen und Realisierungen von zeitlich begrenzten Vorhaben beteiligt. Das Projektbeinhaltende Thema muss für diese ansprechend und ihnen wichtig sein. Innerhalb von Projekten haben Kinder und Jugendliche die Möglichkeit besonders kreativ zu arbeiten. Projektorientierte Beteiligungsformen sind auch für jüngere Kinder, bereits im Elementarbereich, umsetzbar und gut geeignet. Beispiel hierfür kann eine gemeinschaftliche Untersuchung der Infrastruktur des Sozialraumes sein. Anhand dieser Untersuchung besteht dann zum Beispiel die Möglichkeit einen Kinderortsplan zu erstellen, auf dem für die Kinder wichtigen Orte und Plätze eingezeichnet sind. Spiele- und Freizeitflächen, institutionalisierte Lebensräume wie Schulhöfe oder Kindertagesstätten können gemeinsam gestaltet werden. Kommunikationsplattformen für Jugendliche, wie zum Beispiel die Entwicklung eines an die Zielgruppe angepassten Chatrooms oder Forums im Internet, können durch die Gemeinde oder Stadt aufgebaut werden. Demographische Entwicklungen und deren Folgen können gemeinsam im Sozialraum untersucht werden.

5.6. Beispiele für anwaltschaftliche Beteiligungsformen

Innerhalb der anwaltschaftlichen Beteiligungsformen nehmen Erwachsene die Interessen von Kindern und Jugendlichen stellvertretend im Gemeinwesen war. Dies geschieht zum Beispiel in Kinder- und Jugendbüros, durch die Kinder- und Jugendbeauftragte und durch Kinder- und Jugendanwälte.

5.7. Beispiele für Jugendvertretungen in Erwachsenengremien

Die Beteiligungsform der Vertretung von Kindern und Jugendlichen in Erwachsenengremien, ist dadurch gekennzeichnet, dass Kinder und Jugendliche in bestehenden Planungs- oder Arbeitsgruppen von Erwachsenen vertreten sind. Ihre Anwesendheit bietet die Möglichkeit, sich direkt zu beteiligen, und vielleicht sogar ein Stimmrecht zu besitzen. Als Beispiele für Jugendvertretungen in Erwachsenengremien können Stadtteilarbeitskreise, Bürgerinitiativen, Kinderkommissionen oder Ausschusssitzungen angeführt werden.
Wichtig ist, dass Kinder und Jugendliche nicht nur im kommunalen Partizipationsprozess an Entscheidungen beteiligt werden, sondern auch in den beteiligten Organisationseinheiten, wie zum Beispiel in der Schule oder in den Jugendeinrichtungen und Vereinen. Es steht der Kommune frei, für welche Form der Beteiligung sie sich entscheidet. Eine gelingende Partizipation zeichnet sich dadurch aus, dass im Sozialraum der Kinder und Jugendlichen mehrere Formen der Beteiligung ermöglicht werden und im Quartier vernetzt gearbeitet wird. (Handbuch zur Entwicklung kommunaler Strukturen für die Jugendbeteiligung, "eine Stadt für uns alle“, herausgegeben von der Bertelsmann Stiftung, 2008)

6. Fazit

Zusammenfassend ziehe ich im Rückblick auf den Inhalt meiner gesamten Ausarbeitung, folgenden Schluss.
Soziale Arbeit hatte schon in der Vergangenheit sozialräumliche Aspekte. Sie wirkt
lokal in Quartieren und Stadtteilen und „global“ im gesellschaftlichen
Raum. Veränderungen im Raum wirken sich auch auf die Gestaltung und den inhaltlichen Schwerpunkt dort vorhandener Sozialer Arbeit aus.
Sozialraumorientierung bedeutet, dass neben der regionalen Organisation sozialstaatlicher Leistungen und dem interdisziplinären Handeln von Fachkräften in Sozial- und Bildungseinrichtungen, eine verstärkte Orientierung an den Bedürfnis- und Bedarfslagen der Menschen und insbesondere der Kinder und Jugendlichen, unter Einbeziehung vorhandener Ressourcen im Sozialraum, in ihren Lebenswelten erfolgen muss.
Wesentliche Bestandteile und zentrale methodische Prinzipien sozialraumorientierter
Arbeit und Jugendhilfe sind konsequenter Ansatz am Willen, den Interessen und den Rechten der Zielgruppe, Aktivierende Arbeit und Förderung der Selbsthilfe, Konzentration sowohl auf die Ressourcen der Betroffenen, als auch auf die materielle und politische Struktur des Quartiers.
Die Förderung durch die sozialraumorientierte Sozialarbeit setzt dabei möglichst frühzeitig im Gemeinwesen an und schafft positive Bedingungen, um dazu beizutragen, dass Kinder und Jugendliche nicht zu Jugendhilfefällen werden und sich an Entwicklungen im eigenen Sozialraum aktiv beteiligen können und dürfen.
Im Gegensatz zur Schule kann die kommunale Kinder- und Jugendarbeit viele Möglichkeiten anbieten, in denen Kinder und Jugendliche ihre eigene Wirkung erfahren können. Sie können eigene Ideen in „Tat“ umsetzen und erleben sich so als aktive Gestalter ihrer Lebenswelt. Partizipationserfahrungen, die das soziale Miteinander multikulturell fördern und stärken, sind eine bewährtes Gegenmittel zu extremistischen Orientierungen.
In der kommunalen Kinder- und Jugendarbeit ist viel von Zielgruppen die Rede. Sie bezieht sich auf Altersgruppen, Mädchen oder Jungen, Migranten und unterschiedliche Bildungsniveaus. Die Sozialraumanalyse ist der erste Arbeitsschritt einer methodischen Konzeptentwicklung. Dabei ist die Idee leitend, dass sich Angebote der offenen Kinder- und Jugendarbeit bewusster an den Interessen und Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen orientieren sollten. Jugend konstituiert sich im Raum. In der sozialräumlichen Jugendarbeit geht es darum, dass den Jugendlichen anregende, ihre Entwicklung fördernde „Räume“ zur Verfügung gestellt werden. Räume, die Jugendlichen ermöglichen, sich zur Gemeinschaft dazugehörig zu fühlen. Es geht darum, Räume anzubieten, die nicht abgeschottet und versteckt, fern der Öffentlichkeit sind, sondern „offen“ und in denen sie durch partizipative, ihren Fähigkeiten und Bedürfnissen entsprechende Sozialarbeit, am Gemeinschafts-Prozess beteiligt werden.
7. Literatur

Arnold/Maelicke, Lehrbuch der Sozialwirtschaft, 2003
Baacke, Die 6-12jährigen, Weinheim, 1984
Böhnisch/Münchmeier, „Pädagogik des Jugendraums“, 1990
Böllert, „Lebensbedingungen von Jugendlichen in problematischen Stadtquartieren“, in Bruhns,/Mack, Aufwachsen und Lernen in der Sozialen Stadt, 2001
Deinet, Raumaneignung in der sozialwissenschaftlichen Theorie, in Böhnisch/Münchmeier, „Pädagogik des Jugendraumes, zur Begründung und Praxis einer sozialräumlichen Jugendpädagogik, 1990
Deinet, „das Aneignungskonzept“, eine pädagogische Praxistheorie für die offene Kinder- und Jugendarbeit, in „deutsche Jugend“, Heft 6,1991
Dokumentation der Fachtagung zur Jugendhilfe „Vom Fall zum Feld“, Kiel, 2000
Foerster, „Wissen und Gewissen“,1993
Gemeindeordnung § 47f
Bertelsmann Stiftung, „Handbuch zur Entwicklung kommunaler Strukturen für die Jugendbeteiligung“, 2008
Harms, „Kinder und Jugendliche in der Großstadt“,1985
Hillmann, „Wörterbuch der Soziologie“, 1994
Hinte / Lüttringhaus / Oelschlägel, „Grundlagen und Standards der Gemeinwesenarbeit“, 2001
http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialraum
Int. Federation of Social Work, Definition of the Social Work Profession, 1982
Jugendbericht (8.) der Bundesregierung von 1990, Herausgeber: der Bundesminister für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit, Bonn, Abk. BJFFG,1990
Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII) § 8 (1)
Kunstreich, Grundkurs Soziale Arbeit Band 1, 2000
Oelschlägel, in „Handbuch Sozialarbeit/Sozialpädagogik“, Otto/Thiersch, 2005
Schubert/Klein, „Das Politiklexikon“, 2006
Schütz/Luckmann, „Strukturen der Lebenswelt“, 2003
Selige, 1996 in Arnold/Maelicke, „Lehrbuch der Sozialwirtschaft“, 2003
Thiersch, „Erfahrung der Wirklichkeit“, Perspektiven einer alltagsorientierten Sozialarbeit, 2003

Claudia Beyer, 16.09.2009


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